Digitalisierung und Schlaf - Fluch oder Segen?

Digitalisierung und Schlaf - Fluch oder Segen?

Heute möchte ich euch einige Fakten und Überlegungen bezüglich der fortschreitenden Digitalisierung und unserer Gesundheit geben. In meinem vorigen Artikel Chronodisruption bin ich  sehr detailliert auf die Auswirkungen von Licht, Essen und elektromagnetischer Strahlung eingegangen. Nicht nur die ständige Strahlenbelastung ist für unseren Schlaf ungesund,, sondern auch die ständige innere Wachsamkeit, möglicherweise einen Anruf oder eine Nachricht zu bekommen.Wir sind also ständig in Bereitschaft. Alles andere, als entspannend.

 

Unter dem Einfluss der Megatrends Konnektivität und Gesundheit erhält Schlaf eine neue Bedeutung und wird künftig die Lebensweisen von Menschen grundlegend verändern. Denn die Digitalisierung unseres Alltags schreitet immer weiter voran – mit fatalen Auswirkungen. Anhand neuer wissenschaftlicher Studien zeigt der renommierte Gehirnforscher Manfred Spitzer in welchem Maß diese Entwicklung unsere Gesundheit bedroht. Seine Worte aus seinem Buch Cyberkrank lauten wie folgt: “Wir werden cyberkrank, wenn wir den digitalen Medien die Kontrolle über alle Lebensbereiche überantworten, stundenlang online Games spielen und in sozialen Netzwerken unterwegs sind. Stress, Empathieverlust, Depressionen sowie Schlaf- und Aufmerksamkeitsstörungen sind die Folgen.

 

Digitalisierung als Schlafhelfer

Eine stetig wachsende Anzahl an Apps und Gadgets beschäftigt sich mit der Verbesserung des Schlafs. Die App SleepCycle nutzt den Bewegungssensor des iPhones, um den Schlaf zu analysieren und weckt die User am Morgen ganz sanft, wenn sie in der Leichtschlafphase sind. Einen ganz anderen Ansatz nutzt die App Sonic Sleep. Diese App trackt deine Schlafphasen und spielt gewisse Audiosignale ab, sobald du  deine Tiefschlafphase erreicht hast und verhilft dir dadurch zu einem tiefen und erholsamen Schlaf. Die App pzizz fokussiert sich hingegen nicht auf das Aufwachen, sondern erleichtert mit über 100 Milliarden verschiedener Soundkombinationen das Einschlafen. Den Goldstandard der Sleep-Wearables nimmt der Oura Ring ein. Er sieht aus wie ein gewöhnlicher Ring, hat aber die Fähigkeit deine Atmung, deine Herzfrequenz (HRV), deine Körpertemperatur und deine Schlafgewohnheiten zu tracken und auszuwerten. 

Apps und Wearables und deren Schattenseiten

Es gibt sehr viele Apps und Gadgets am Markt die sehr vieles versprechen. Vor allem einen gesunden und erholsamen Schlaf. Jeder, der solche Apps schon benutzt hat, weiß, dass diese Apps sehr hilfreich sein können, wenn es um das Datensammeln geht, aber spätestens bei der Interpretation der Daten die Freude an der App bzw. dem Wearable verloren geht. Sehr viele namhafte Hersteller bewerben Ihre Produkte damit, dass Sie einen neuartigen Algorithms verwenden der den Schlaf minutengenau aufzeichnen kann. Aber was haben die UserInnen davon? Das Problem an diesen Apps und Wearbales ist, das sie keine genauen und verlässlichen Daten liefern können, da sie alle “nur” Algorithmen verwenden und nicht die ursprünglichen Daten, wie sie beim Goldstandard der Polysomnographie verwendet werden. 

Über diese Thematik habe ich mich mit Dr. Manuel Schabus von der Uni Salzburg in meinem Podcast Sleep Attack unterhalten und er sagte: “Wir haben in mehreren Studien untersucht wie genau und verlässlich diese Schlafwearables sind, und wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass keines der am Markt verfügbaren Gadgets die Schlafphasen genau erkennen kann. Das Problem bei den meisten Wearbales, die es auf dem Markt gibt ist, dass man nicht genau weiß, wie die Daten  erhoben werden. Daher gibt es auch keine validen und verlässlichen Daten, die man dann auswerten kann. Im wissenschaftlichen Jargon spricht man auch von einer sogenannten Blackbox der Daten. “

Das heißt, wir wollen messen und tracken, aber die Daten sind ungenau und verschwinden im Nichts. 

Willst du einen groben Überblick über die Daten bekommen, welche beim Schlafen erhoben werden, so bin ich der Meinung, dass man Apps und Wearables durchaus verwenden kann. Wenn du aber genaue und verlässliche wissenschaftlich erhobene Daten und Interpretationen möchtest, dann rate ich dir zu einem zweitägigen Besuch in einem Schlaflabor. 

 

Analoge Nachtruhe

Ich bin der Meinung, täglich ab einer gewissen Uhrzeit den digitalen Konsum auf ein Minimum zu reduzieren, führt zu besserem Schlaf. Ganz ohne digitale „Helfer“ also. 

Hier sind meine Tipps, um die Nutzung von Smartphone und Co. vor dem Schlafengehen zu reduzieren:

 

 -2 Stunden vor dem Schlafen gehen das Smartphone in den  Flugmodus geben

-Alle Gedanken die einem durch den Kopf gehen, in ein Buch oder eine Liste schreiben. So geht nichts verloren, woran man sich erinnern will und sollte und man kann mit einem „leeren“ statt mit einem „ vollen“ Kopf zur Ruhe kommen. Das Gedankenkarussell, das viele wach hält, wird dadurch entschleunigt.

-Lies ein Buch oder hör dir ein Hörbuch an. Richte deine Sinne auf analoge Freuden!

-Entspanne dich bei einem Basenbad oder meditiere für ein paar Minuten. Das entspannt körperlich und geistig. Denn wenn deine Muskeln im warmen Wasser entspannen, fallen auch mentale Anspannungen ab. 

 

Wie du siehst, gibt es sowohl positive als auch negative Aspekte unserer digitalisierten Welt. Wichtig ist, wie du mit deinem Digitalkonsum umgehst, wie du diesen bewertest und wie sich dieser auf deine Gesundheit und deinen Schlaf auswirkt. 

Im nächsten Beitrag erzähle ich dir, wie eine optimale Schlafumgebung aussieht, auf was du achten musst, wenn du zu Bett gehst und wie du dafür sorgen kannst, dass dein Schlafzimmer dein liebster Rückzugsort wird.

Auch in diesem Artikel habe ich mich wieder mit der vorhandenen Literatur und einigen Studien auseinandergesetzt. Den Link zu meiner Schlafdatenbank findest du hier.

 

 

 

 

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